{"id":1911,"date":"2019-10-08T08:08:07","date_gmt":"2019-10-08T06:08:07","guid":{"rendered":"https:\/\/s-kreuzer.de\/?p=1911"},"modified":"2019-10-08T08:08:07","modified_gmt":"2019-10-08T06:08:07","slug":"analyse-einer-kenterung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/s-kreuzer.de\/?p=1911","title":{"rendered":"Analyse einer Kenterung"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ein Bericht von Rollo Beckmann<\/strong><\/p>\n<p>Wie im vergangenen Jahr haben wir auch in diesem Jahr an der Regatta \u201eBlaues Band der Schlei\u201c teilgenommen. Der Wind zwischen 4-7 Bf. war ordentlich, aber gut segelbar. Der Start erfolgte auf Raumwindkurs. Nach ausdr\u00fccklicher Freigabe des Spis durch meine Vorschoterin und deren Zusatzinfo \u201ewenn es mir zu viel wird, lass ich alles los\u201c setzten wir also vor der Startlinie den Spi und starteten ganz verhalten aus der zweiten Reihe, leider etwas zu weit in Lee. \u00dcber uns lagen mehrer Dickschiffe und es dauerte einige Zeit, bis wir uns aus deren Abdeckung nach Luv durchgek\u00e4mpft hatten. Aber dann ging die Post richtig ab und mit 16er-Spitzengeschwindigkeiten lie\u00dfen wir einen nach dem anderen voraus segelnden Mitsegler hinter uns.<\/p>\n<p><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/s-kreuzer.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/img_0047.jpg?resize=720%2C405&#038;ssl=1\" class=\"size-full wp-image-1910\" width=\"720\" height=\"405\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/s-kreuzer.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/img_0047.jpg?w=1600&amp;ssl=1 1600w, https:\/\/i0.wp.com\/s-kreuzer.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/img_0047.jpg?resize=300%2C169&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/s-kreuzer.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/img_0047.jpg?resize=768%2C432&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/s-kreuzer.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/img_0047.jpg?resize=700%2C394&amp;ssl=1 700w, https:\/\/i0.wp.com\/s-kreuzer.de\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/img_0047.jpg?w=1440&amp;ssl=1 1440w\" sizes=\"auto, (max-width: 720px) 100vw, 720px\" \/><\/p>\n<p>Fehler Nr.1<\/p>\n<p>Mittlerweile hatten wir B\u00f6en von gut 6-7Bf, was das ziehen der (d\u00fcnnen) Luvschot f\u00fcr meine ansonsten sehr sportliche und kr\u00e4ftige Vorschoterin nicht mehr m\u00f6glich war. Das w\u00e4re allerdings n\u00f6tig gewesen, da der Wind achterlicher gedreht hatte. Somit hatten wir &#8211; bei vollem Speed! &#8211; viel Querkraft in der Segelfl\u00e4che, anstatt mehr nach vorne gerichtete Kr\u00e4fte. Und das r\u00e4chte sich bei der n\u00e4chsten B\u00f6e: das Boot scho\u00df bei vollem Speed ohne Chance noch abzufallen katapultm\u00e4\u00dfig in den Wind.<\/p>\n<p>Fehler Nr. 2<\/p>\n<p>Ein l\u00f6sen der Lee- Spischot w\u00e4re noch eine Chance gewesen, die hatte sich aber um den Fu\u00df meiner Vorschoterin gewickelt.<\/p>\n<p>Fehler Nr. 3<\/p>\n<p>Da meine \u00fcbliche Jollen-Schwimmweste, die ja bekannterma\u00dfen alle keinen Schrittgurt haben, mich durch das hochrutschen abnervt, habe ich kurzerhand meine automatische Rettungsweste genommen. Nachdem ich bei der Kenterung wie schon gesagt auch eher katapultm\u00e4\u00dfig ins Wasser bef\u00f6rdert wurde, nicht ohne mir vorher noch den Schotmast (Stange, an deren oberen Ende die Gro\u00dfschot befestigt ist) so in den Bauch zu rammen, dass ich jetzt stolzer Besitzer eines gef\u00fchlten 1\/2 qm gro\u00dfen H\u00e4matoms bin, ging meine super gute Weste schlagartig auf und ich lag wie ein umgedrehter Maik\u00e4fer ann\u00e4hernd handlungsunf\u00e4hig zwischen dem nicht zurodnenbarem Gewusel von Fallen und Schoten. Und prompt hatte sich die Spischiot im Kragen der Weste verfangen. Erst nachdem ich viel Luft aus der Weste gelassen hatte, konnte ich \u00fcberhaupt agieren und mich befreien. Eine ganz be\u00e4ngstigende Erkenntnis: w\u00e4re das Boot durchgekentert, w\u00e4re ich vermutlich durch meine Handlungsunf\u00e4higkeit unter dem Schiff h\u00e4ngen geblieben und h\u00e4tte ein ernstes Problem gehabt!<\/p>\n<p>Richtige Entscheidung<\/p>\n<p>Das erste Mal haben wir in letzter Minute vor dem Auslaufen den Kentersack montiert, dessen Ablaufdatum 02\/03 war. Der Mast war nach der Kenterung keine 3 Sekunden im Wasser, da war der Sack aufgeblasen und hat das Boot m\u00fchelos \u00fcber Wasser gehalten (im Gegensatz zu einer vor uns gekenterten Jolle, deren Mast im Boden steckte und bei der Bergung abbrach).<\/p>\n<p>Rettung\/ Aufrichten<\/p>\n<p>Meine Vorschoterin war, nachdem wir ca.20 Minuten im Wasser gelegen haben, so durchgefroren, dass sie als erstes vom DGZRS abgeborgen werden musste, w\u00e4hrend ich es mir auf der unteren Seite des Cockpits bequem gemacht habe und von dort den Spi bergen konnte. Bekannterma\u00dfen sind die Rettungsman\u00f6ver das gr\u00f6\u00dfte Risiko f\u00fcrs Material, besonders dann, wenn der Berger ein mittelgro\u00dfer Kreuzer ist. Die Crew des Rettungsbootes war wirklich sehr bem\u00fcht und auch sehr professionell, nur Schiffe wieder aufzurichten war auch f\u00fcr sie ein Novum. Letztlich war es aber dann nach Anweisung doch sehr einfach: durch den Auftriebssack hatte sich das Boot automatisch mit dem Rigg in den Wind ausgerichtet. Das Rettungsboot hat mir von der Leeseite eine Leine von hinten \u00fcber den Rumpf geworfen, die ich \u00fcber die Winsch gelegt habe. Schon beim ersten ziehen hat sich das Boot aufgerichtet.<\/p>\n<p>An der Stelle nochmals vielen Dank an das Rettungsboot!!!!!!!!!<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Bis zur Kenterung war es ein richtig geiles Segelvergn\u00fcgen! Nat\u00fcrlich werde ich nie wieder eine automatische Rettungsweste beim Jollensegeln tragen, sondern mir in meine Jollenweste einen Schrittgurt einn\u00e4hen lassen. Den wiederum halte ich f\u00fcr sehr wichtig! Unser Kentersack wird sofort in die Wartung gebracht und bei Wind \u00fcber 4 Bf grunds\u00e4tzlich eingebunden. Es ist ja wirklich sch\u00f6n, leichte Schoten mit geringem Gewicht zu verwenden. Nur spielt bei dem Wetter das Gewicht gar keine Rolle mehr und etwas dickere Schoten h\u00e4tten es vermutlich erm\u00f6glicht, die Luvschot noch bedienen zu k\u00f6nnen. In jedem Fall werden wir einen 2. Satz griffigerer Spischoten f\u00fcr mehr Wind anschaffen.<\/p>\n<p>Ich war auch erstaunt, wie gro\u00df die Rumpfstabilit\u00e4t des 16er ist, es ist deshalb auch durchaus ohne Probleme m\u00f6glich, mit dem Schiff bis 6 Bf zu segeln. Und was mich auch erstaunt hat, war der hohe Freibord, als das Schiff im gekenterten Zustand im Wasser lag. Trotz 30-min\u00fctigem Treiben im gekenterten Zustand, hatte wir nur 5 Eimer Wasser im Schiff, das vermutlich durch die im Deck eingelassenen Barberholerrollen eingedrungen war.<\/p>\n<p>Auf jeden Fall n\u00e4chstes Jahr wieder! Nur mein Bauch wird mich noch einige Wochen an das ansonsten sch\u00f6ne Event unangenehm erinnern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Bericht von Rollo Beckmann Wie im vergangenen Jahr haben wir auch in diesem Jahr an der Regatta \u201eBlaues Band der Schlei\u201c teilgenommen. Der Wind zwischen 4-7 Bf. war ordentlich, aber gut segelbar. Der Start erfolgte auf Raumwindkurs. 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